Verhütung mit Methoden der natürlichen Familienplanung

Foto von Frau, bei der Temperatur-Messung zur Verhütung

Bei der natürlichen Familienplanung (NFP) achtet die Frau auf bestimmte Körperzeichen, um die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage in ihrem Zyklus zu erkennen. Die sogenannte symptothermale Methode gilt als die sicherste NFP-Methode.

Im Monatszyklus der Frau gibt es fruchtbare und unfruchtbare Tage. Wer weiß, wann die fruchtbare Zeit beginnt und wann sie endet, kann dies für die Verhütung nutzen – aber auch dafür, die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Um die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage zu erkennen, werden die Methoden der natürlichen Familienplanung angewendet. Sie zielen alle darauf ab, den Zeitpunkt des Eisprungs im Zyklus der Frau in etwa zu bestimmen. Der natürliche Zyklus der Frau bleibt bei dieser Art der Verhütung also unverändert.

Soll die natürliche Familienplanung zur Verhütung genutzt werden, kann das Paar an den unfruchtbaren Tagen ungeschützten Geschlechtsverkehr haben – an den anderen Tagen muss es anders verhüten oder auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Wie verläuft der weibliche Zyklus?

Der weibliche Zyklus besteht aus zwei Phasen:

  • Phase der Eireifung: Sie dauert vom ersten Tag der Menstruation bis zum Eisprung. In dieser Zeit wird die Schleimhaut an der Innenwand der Gebärmutter () dicker, damit sich eine Eizelle nach der Befruchtung dort einnisten kann. Zudem reifen im Eierstock die Eibläschen heran.
  • Gelbkörperphase: Sie dauert vom Eisprung bis zum ersten Tag der Menstruation. Die Eizelle wandert durch den Eileiter in die Gebärmutter. Wenn sie nicht befruchtet wird, stirbt sie ab. Etwa zwei Wochen später wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Die Regelblutung setzt ein. Damit beginnt ein neuer Zyklus.

Die fruchtbaren Tage beginnen etwa fünf Tage vor dem Eisprung, denn so lange können Spermien nach dem Geschlechtsverkehr in der Gebärmutter und den Eileitern überleben. Die Eizelle kann nach dem Eisprung etwa 24 Stunden lang befruchtet werden.

Während des Zyklus kommt es zu Veränderungen der Körpertemperatur, des Zervixschleims und des Muttermunds. Durch Beobachtung dieser Veränderungen können die fruchtbaren Tage eingegrenzt, aber mit keiner Methode genau bestimmt werden.

Welche Methoden der natürlichen Familienplanung gibt es?

Zu den Methoden der natürlichen Familienplanung gehören:

  • Kalender-Methode: Auf der Basis der vorausgehenden Zyklen wird der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Eisprungs berechnet.
  • Temperatur-Messung: Die Körpertemperatur der Frau schwankt im Verlauf des Zyklus. Ein anhaltender Anstieg der Temperatur deutet darauf hin, dass der Eisprung stattgefunden hat und die unfruchtbare Phase im Zyklus beginnt. Die Temperatur muss immer zur gleichen Zeit und morgens vor dem Aufstehen gemessen werden – das nennt man die Basaltemperatur.
  • Zervixschleim-Beobachtung: Der Schleim im Gebärmutterhals () verändert sich im Verlauf des Zyklus. Die Frau kann den Zervixschleim am Ausgang der Vagina untersuchen und daraus ableiten, ob der Eisprung bevorsteht oder schon stattgefunden hat.
  • Ertasten des Muttermunds: Der Muttermund ist der untere Teil des Gebärmutterhalses. Er ist direkt nach der Monatsblutung geschlossen und fühlt sich fest an. In der fruchtbaren Zeit ist er weich, leicht geöffnet und liegt tiefer in der Vagina. Diese Veränderung lässt sich ertasten.
  • symptothermale Methode: Sie kombiniert die Temperatur-Messung und die Zervixschleim-Beobachtung.
  • Ovulationstests und Hormonmessungen: Der Körper der Frau schüttet am Ende der Eizellreifung das sogenannte LH-Hormon aus. Weitere können den Eisprung mehrere Tage im Voraus ankündigen. Mithilfe von Teststreifen oder Zyklus-Computern werden sie im Urin oder Speichel gemessen.
  • Zyklus-Apps, Fruchtbarkeitsmonitore und Eisprungrechner: Es gibt eine Vielzahl digitaler Tools, die auf den genannten Methoden beruhen und bei der Messung und Dokumentation unterstützen.

Es werden noch weitere Methoden angeboten, über deren Sicherheit sich aber nicht genug sagen lässt.

Gut zu wissen:

Neben den Methoden der natürlichen Familienplanung gibt es weitere Verhütungsmethoden, zum Beispiel Barriere-Methoden (wie das Kondom), hormonelle Methoden (wie die Pille), Spiralen und die Sterilisation.

Wie sicher sind Methoden der natürlichen Familienplanung?

Die Methoden der natürlichen Familienplanung sind weniger sicher als viele andere Verhütungsmethoden – vor allem, wenn man sich auf ein einziges Körperzeichen verlässt. Denn das Messen und Erkennen einzelner Körperzeichen kann fehler- und störanfällig sein.

So ist beispielsweise das alleinige Messen der Körpertemperatur nicht sicher, weil es noch weitere Gründe für eine erhöhte Körpertemperatur geben kann – Krankheit, eine zu kurze oder gestörte Nachtruhe, Alkohol oder spätes Essen am Abend. Auch die Konsistenz des Zervixschleims kann sich unabhängig vom Zyklus verändern, beispielsweise durch Infektionen in der Vagina. Die Kalender-Methode allein ist sehr unsicher, weil bei vielen Frauen die Zykluslänge und der Zeitpunkt des Eisprungs von Monat zu Monat schwanken – und damit der Zeitraum der fruchtbaren Tage. Kombiniert man jedoch mehrere Methoden, verbessert sich der Verhütungsschutz.

Zu den meisten natürlichen Methoden gibt es keine guten und ausreichend großen Studien. Recht gut untersucht ist aber die symptothermale Methode. Es gibt verschiedene Varianten der symptothermalen Methode. Diese unterscheiden sich danach, wie viele Körperzeichen ausgewertet werden und nach welchen Regeln.

Die symptothermale Methode mit der höchsten Sicherheit ist die sogenannte Double-Check-Methode. Dabei kombiniert die Frau die Temperatur-Messung mit der Beobachtung des Zervixschleims. Sie bietet bei perfekter Anwendung eine hohe Verhütungssicherheit: Etwa 0,4 % der Frauen, die geschult wurden und ein Jahr lang konsequent mit der symptothermalen Methode verhüten, werden schwanger. Zum Vergleich: Bei der Pille sind es 0,3 % – bei perfekter Anwendung.

Bis die Körperzeichen richtig gedeutet und ausgewertet werden können, dauert es meist einige Zeit und braucht etwas Erfahrung. Es wird deshalb empfohlen, erst einige Zyklen lang zu üben, bevor man sich auf die Verhütung mit der symptothermalen Methode verlässt. Die symptothermale Methode kann auch in Schulungen erlernt werden.

Ob natürliche Methoden sicher funktionieren, hängt nicht zuletzt davon ab, wie konsequent an den fruchtbaren Tagen ein anderes Verhütungsmittel verwendet wird, zum Beispiel Kondome.

Wie wird die symptothermale Methode angewendet?

Die gemessenen Werte und Beobachtungen werden genau dokumentiert und ausgewertet – entweder auf Tabellenblättern oder mithilfe einer App.

Bei der Anwendung der symptothermalen Methode geht die Frau folgendermaßen vor:

Messung der Aufwachtemperatur

  • Sie misst ihre Körpertemperatur jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, aber vor dem Aufstehen (Basaltemperatur), und notiert sie oder gibt sie in eine App ein.
  • Die Temperatur kann in der Vagina oder im After gemessen werden. Die Messung sollte aber immer an derselben Stelle stattfinden, da sich die Temperatur an verschiedenen Körperstellen unterscheiden kann.
  • Am besten eignet sich ein Digitalthermometer, das auf zwei Nachkommastellen genau misst.

Ist die Temperatur an drei Tagen hintereinander um mindestens 0,2 Grad Celsius höher als an den sechs Tagen zuvor? Dann hat mit hoher Wahrscheinlichkeit der Eisprung stattgefunden. Die unfruchtbaren Tage beginnen.

Besonderheiten wie Krankheiten oder stark abweichende Messzeiten sollten notiert werden, da sie die Körpertemperatur beeinflussen können.

Beobachtung des Zervixschleims

Die Frau achtet darauf, wie sich das Aussehen des Schleims am Ausgang der Vagina im Laufe ihres Zyklus verändert. Sie erfühlt die Veränderungen der Konsistenz und achtet darauf, ob sie in der Vagina ein eher trockenes oder eher feuchtes Gefühl hat. Kurz vor dem Eisprung ist der Zervixschleim eher flüssig und durchsichtig und zieht zwischen den Fingern Fäden. Nach dem Eisprung verfestigt er sich und wird zäh, klumpig und weißlich.

Wie sinnvoll sind Eisprungrechner, Zyklus-Apps und andere digitale Tools zur Verhütung?

„Zyklus-Apps“, „Fruchtbarkeitsmonitore“, „Kalender-Apps“ und „Eisprungrechner“ sind digitale Tools, mit deren Hilfe der Eisprung und die fruchtbaren Tage im Zyklus der Frau bestimmt werden sollen. Viele davon versprechen eine Menge: natürliche Verhütung ohne , selbstbestimmt und partnerschaftlich. Dabei ist aber wichtig zu wissen: Digitale Tools, Apps und Geräte können immer nur so gut sein wie die Methode, auf der sie beruhen. Deshalb ist es wichtig, immer zuerst zu prüfen, nach welcher Methode sie arbeiten.

Eisprungrechner im Internet gehen von einem Zyklus von 28 Tagen und einem Eisprung am 14. Zyklustag aus – also in der Mitte des Zyklus. Ausgehend davon werden die fruchtbaren Tage berechnet. Einen solchen „Standard-Zyklus“ hat aber nur etwa jede zehnte Frau. Andere Zyklus-Apps beruhen auf der Kalender-Methode. Bei dieser wird der Zeitpunkt des Eisprungs auf der Basis der Länge der vorangehenden Zyklen im Voraus geschätzt. Das ist etwas sicherer als reine Eisprungrechner, weil individuelle Schwankungen der Zykluslänge einbezogen werden. Aber auch mit diesen Apps kann der Zeitpunkt des Eisprungs nicht verlässlich eingegrenzt werden.

Andere digitale Hilfsmittel beruhen auf der Temperatur-Messung – etwa Zyklus-Computer oder Fertilitätsmonitore mit integriertem Thermometer. Es gibt auch Systeme, die die Körpertemperatur mit einem Ring in der Vagina oder einem Armband laufend messen und an eine App oder Software übertragen, die sie auswertet. Hormoncomputer messen die Konzentration des Hormons LH, manchmal auch weiterer , im Urin oder Speichel der Frau und werten sie aus. Sie gelten aber als unsicher.

Digitale Tools und Apps, die sich auf ein einziges Körperzeichen verlassen, eignen sich nicht für eine sichere Verhütung. Sie können aber die Dokumentation und Auswertung einfacher und bequemer machen. Apps, die auf der Grundlage der symptothermalen Methode arbeiten, können deren Anwendung unterstützen.

Was kostet die natürliche Familienplanung?

Die natürliche Familienplanung ist relativ kostengünstig. Ein Thermometer kostet etwa 5 bis 20 Euro. Eventuell fallen zusätzliche Kosten für Schulungsmaterialien, Apps oder Beratung an.

Welche Vorteile haben die natürlichen Methoden?

Vorteile der natürlichen Verhütungsmethoden sind:

  • Sie haben keine Nebenwirkungen durch .
  • Frauen lernen ihren Körper und ihren Zyklus besser kennen.
  • Sie kosten wenig Geld – sofern man auf ein teures Gerät oder App-Abo verzichtet.
  • Es sind keine Arztbesuche dafür nötig.
  • Sie können einen partnerschaftlichen Umgang mit Verhütung fördern. Denn Paare müssen sich darüber austauschen, in welcher Zyklusphase sich die Frau gerade befindet, und gemeinsam Verantwortung für die Verhütung übernehmen.

Welche Nachteile haben die natürlichen Methoden?

Nachteile der natürlichen Verhütungsmethoden sind:

  • Sie sind (außer die symptothermale Methode) weniger sicher als andere Methoden, zum Beispiel hormonelle Mittel oder Spiralen.
  • Die natürliche Familienplanung ist relativ aufwendig, da regelmäßig Körperzeichen beobachtet und dokumentiert werden müssen.
  • Die Sicherheit hängt davon ab, wie gut und konsequent Körperzeichen beobachtet und ausgewertet werden. Das braucht Übung und Erfahrung.
  • An den fruchtbaren Tagen muss zusätzlich verhütet oder auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
  • Die Anwendung ist in bestimmten Lebensphasen schwierig, zum Beispiel in der Stillzeit oder während der Wechseljahre. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Zyklus in diesen Phasen sehr unregelmäßig sein kann.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Familienplanung.de: Verhütungsmethoden. 2023.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Nicht hormonelle Empfängnisverhütung (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-095. 2023.

Teal S, Edelman A. Contraception Selection, Effectiveness, and Adverse Effects: A Review. JAMA 2021; 326(24): 2507-2518.

World Health Organization (WHO). Family Planning. A global handbook for providers. 2022.

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Erstellt am 19. Februar 2025

Nächste geplante Aktualisierung: 2028

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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