Sterilisation beim Mann (Vasektomie)

Foto von nachdenklichem Mann

Bei der Vasektomie werden die Samenleiter im Hodensack durchtrennt. Sie ist eine der sichersten Verhütungsmethoden und führt zu dauerhafter Unfruchtbarkeit. Manche Männer haben jedoch nach der Operation anhaltende Beschwerden.

Sind die Samenleiter durchtrennt, können die Spermien nicht mehr vom Hoden in die Samenflüssigkeit gelangen. Beim Geschlechtsverkehr gelangen daher keine Spermien in den Körper der Frau und es kann keine Eizelle befruchtet werden.

Der Eingriff wird in einer Arztpraxis oder einer Klinik vorgenommen – das heißt, man kann noch am Tag der OP wieder nach Hause. Es empfiehlt sich, eine Einrichtung auszuwählen, die regelmäßig Vasektomien macht oder sich darauf spezialisiert hat.

Was ist wichtig zu bedenken?

Vor der Entscheidung für eine Vasektomie sollte sich der Mann sicher sein, dass er keine eigenen Kinder mehr möchte. Denn der Eingriff kann zwar rückgängig gemacht werden (Refertilisierung) – aber die Chancen, danach noch Kinder zu bekommen, sind deutlich geringer als vorher. Eine künstliche Befruchtung ist nach einer Vasektomie noch möglich, aber komplizierter. Dabei werden Spermien aus dem Hoden des Mannes gewonnen.

Manche Männer bereuen die Entscheidung für eine Sterilisation später – zum Beispiel, wenn sie eine neue Partnerschaft eingehen. Umso wichtiger ist es, sich vorher gut ärztlich beraten zu lassen und auch zu besprechen, welche anderen Verhütungsmethoden zur Verfügung stehen. Bei Bedarf kann auch ein Gespräch in einer Beratungsstelle helfen, die in Fragen der Familienplanung unterstützt.

Hat der Mann eine Partnerin, ist es wichtig, das Thema gemeinsam zu besprechen – die Entscheidung für oder gegen den Eingriff trifft aber allein der Mann.

Wie läuft eine Vasektomie ab?

Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Er wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen. Auf Wunsch kann man ein Schlafmittel erhalten, sodass man von dem Eingriff nichts mitbekommt.

Bei der Vasektomie durchtrennt die Ärztin oder der Arzt die beiden Samenleiter. Dabei entfernt sie oder er etwa 1 bis 2 cm der Samenleiter. Anschließend werden die losen Enden abgebunden, mit Hitze verödet und in verschiedenen Gewebeschichten vernäht, damit sie nicht wieder zusammenwachsen.

Die Grafik zeigt die Vasektomie zur Sterilisation des Mannes. Dabei werden die Samenleiter im Hodensack durchtrennt.

Es gibt zwei Verfahren, die sich lediglich darin unterscheiden, wie der Hodensack geöffnet wird:

  • klassische Vasektomie: Es werden zwei kleine Schnitte in die Haut des Hodensacks gesetzt, um an die beiden Samenleiter zu gelangen.
  • Non-Scalpel-Vasektomie: Der Hodensack wird mit einer speziellen Klemme leicht angeritzt und minimal geöffnet. Auf einen Hautschnitt mit dem Skalpell wird verzichtet.

Studien haben die klassische Vasektomie mit der Non-Scalpel-Vasektomie verglichen. Das Ergebnis:

  • Die Non-Scalpel-Methode führte zu weniger Komplikationen wie Infektionen und Blutergüssen.
  • Der Eingriff mit der Non-Scalpel-Methode geht schneller.
  • Die Männer können nach der Non-Scalpel-Methode früher wieder Sex haben, da der Eingriff schonender ist.

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?

Es wird empfohlen, sich nach dem Eingriff 1 bis 2 Tage lang zu schonen. Man sollte für etwa eine Woche auf Sex und Sport verzichten. Für den Wundverschluss werden in der Regel selbstauflösende Fäden verwendet – es müssen also keine Fäden gezogen werden.

Es kann bis zu zwei Monate dauern, bis man nicht mehr zeugungsfähig ist, da sich hinter der durchtrennten Stelle noch Spermien befinden können. Erst nach mehreren Samenergüssen sind diese aus dem Körper ausgeschwemmt. Etwa zwei Monate nach dem Eingriff wird im Labor eine erste Probe des Spermas untersucht, um festzustellen, ob der Mann unfruchtbar ist. Es ist ratsam, bis dahin zu verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom. Wenn das Ergebnis der Untersuchung noch nicht aussagekräftig ist, wird empfohlen, in den Wochen danach eine zweite Probe untersuchen zu lassen.

Bei weniger als 1 von 100 Männern wachsen die Samenleiter kurz nach der Operation wieder zusammen. Dann kann eine erneute Operation Abhilfe schaffen.

Was kostet eine Vasektomie?

Der Eingriff kostet zwischen 400 und 750 Euro. Die Kosten hängen unter anderem von der Einrichtung, der OP-Technik und dem Narkoseverfahren ab. Eine Vasektomie wird in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Welche Vorteile hat die Vasektomie?

Die Vasektomie ist eine der sichersten Verhütungsmethoden. Nach dem Eingriff müssen sich Paare keine Gedanken mehr über Verhütung machen. Innerhalb eines Jahres werden nur 0,1 % der Frauen schwanger. Zum Vergleich: Bei der Pille sind es (bei perfekter Anwendung) 0,3 %.

Die meisten Männer sind mit dem Ergebnis des Eingriffs zufrieden. Einige berichten von positiven Auswirkungen auf ihr Sexualleben – zum Beispiel, weil sie in einer festen Partnerschaft nicht mehr mit Kondomen verhüten müssen.

Die Vasektomie hat in der Regel keine negativen Auswirkungen auf die und das sexuelle Empfinden – Ausnahmen kann es bei chronischen Schmerzen (Post-Vasektomie-Syndrom) und den extrem seltenen schweren Komplikationen geben. Der Samenerguss bleibt in Aussehen und Menge fast unverändert, auch wenn die Spermien fehlen. Denn diese machen nur einen geringen Teil der Samenflüssigkeit aus, die hauptsächlich in der Prostata gebildet wird.

Welche Nebenwirkungen kann der Eingriff haben?

Nach dem Eingriff können auftreten:

  • Schwellungen und Schmerzen im Bereich des Hodens
  • Nachblutungen und Blutergüsse
  • seltener auch Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen

Dies legt sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Ernsthafte Komplikationen wie schwere Entzündungen sind die Ausnahme.

Welche langfristigen Nachteile kann die Vasektomie haben?

Bei vielen Männern treten nach einer Sterilisation immer wieder kleine Knötchen im Hodensack auf – sogenannte Spermagranulome. Diese können dadurch entstehen, dass Spermien zwar im Hoden gebildet, aber nicht durch die Samenleiter weitertransportiert werden. Sie treten dann aus dem Samenleiter in das umliegende Gewebe aus und verursachen kleine Entzündungen. Häufig werden die Knötchen gar nicht bemerkt, gelegentlich verursachen sie aber Schmerzen. Sie bilden sich meist von selbst zurück. Männer, die in der ersten Woche nach der Vasektomie keinen Samenerguss haben, entwickeln seltener Spermagranulome.

Etwa 15 von 100 Männern sind nach einer Vasektomie vom sogenannten Post-Vasektomie-Syndrom betroffen. Dieses äußert sich durch anhaltende Schmerzen oder Missempfindungen im Hodensack. Die Beschwerden werden jedoch sehr unterschiedlich erlebt: Einen Teil der Männer stören sie nicht, für andere sind sie eine Belastung. Für das Post-Vasektomie-Syndrom gibt es bislang keine nachweislich wirksame Behandlung.

Es wird vermutet, dass eine Vasektomie das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Studien zeigen keine eindeutigen Ergebnisse – ein geringfügig höheres Risiko kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Kann eine Vasektomie rückgängig gemacht werden?

Ja: Bei einer erneuten Operation können die Samenleiter wieder verbunden werden. Der Fachausdruck für diesen Eingriff lautet Refertilisierung (Vasovasostomie). Sie ist aufwendiger und deutlich teurer als die Vasektomie: Die Kosten liegen zwischen 3000 und 6000 Euro. Eine Refertilisierung muss selbst bezahlt werden.

Allerdings wird durch eine Refertilisierung nur ein Teil der Männer wieder ausreichend fruchtbar. Bei etwa 80 % der Operierten finden sich wieder Spermien im Ejakulat – allerdings nicht immer in hoher Zahl und mit guter Beweglichkeit. Etwa 50 % der Paare werden nach dem Eingriff auf natürlichem Wege schwanger.

Nach einer Sterilisation besteht noch die Möglichkeit, durch eine künstliche Befruchtung Vater zu werden. Die Spermien werden dann direkt aus den Hoden entnommen.

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Erstellt am 19. Februar 2025

Nächste geplante Aktualisierung: 2028

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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